verfasst von Debbie Paterok

Am Samstag, den 5. September 2026, fand in der Judohalle Maintal-Dörnigheim das vierte Seminar der Karate-Lehrer-Ausbildung 2026 zum Thema „Wind“ statt. Lehrgangsleiter Dr. Axel Binhack vom Deutschen Karate Verband (DKV). Insgesamt nahmen 24 Dan-Trägerinnen und Dan-Träger an dem Lehrgang teil.

Zum zweiten Mal hatten Debbie Paterok (5. Dan) und Jyun Nappe (1. Dan) die Gelegenheit, im Rahmen der Karate-Lehrer-Ausbildung eine Trainingseinheit von etwa zweieinhalb Stunden zu gestalten. Zu Beginn gab Debbie eine 30-minütige theoretische Einführung in das koreanische Karate. Die Teilnehmenden zeigten großes Interesse an den Hintergründen und der Entstehung dieser Karate-Richtung. Im Anschluss wurde das theoretische Wissen in die Praxis umgesetzt.

Das Training begann mit einem Aufwärmprogramm, gefolgt von kurzen Dehnübungen an der Wand. Anschließend wurden die einzelnen Techniken vorgestellt und ausführlich erläutert. Während Debbie die Erklärungen übernahm, demonstrierte Jyun die Bewegungsabläufe zunächst langsam und anschließend in höherem Tempo.

Im Mittelpunkt standen verschiedene anspruchsvolle Beintechniken.

Bei der ersten Technik, Tollyo Cha Chirugi – Halbkreisfußstoß mit Hüfteinsatz, lag der Schwerpunkt insbesondere auf der Anreißphase, dem Herausdrehen des Standbeins und der präzisen Ausführung der Bewegung. Dabei wird das Trittbein horizontal und seitlich angewinkelt und anschließend zurückgezogen, sodass die Ferse in Richtung Gesäß geführt wird.

Danach folgte Tollyo Cha Pusugi – Halbkreisfußstoß mit starkem Hüfteinsatz. Hier kam es vor allem darauf an, das Trittbein sauber anzureißen und das Standbein herauszudrehen. Anschließend wird das Trittbein gestreckt durchgezogen und mit dem Rücken zum Gegner am Standbein abgesetzt. Der Tritt erfolgt mit der Ferse (Paltwichuk).

Eine besondere Herausforderung stellte der Pandae Tollyo Chagi – Fersendrehschlag mit einer vollen Drehung von 270° oder 360° dar. Diese Fußtechnik wird meist aus dem Hugul Sogi (Rückwärtsstand) ausgeführt.

Aus dem Hugul Sogi wird zunächst das Standbein gedreht, sodass die Zehen zum hinteren Bein zeigen. Danach wird der Oberkörper so weit in Trittrichtung eingedreht, dass das Ziel wieder in den Blick kommt. Da die Füße während dieser Oberkörperdrehung ihre Position beibehalten, entsteht durch die Körperverdrehung eine muskuläre Vorspannung in der Hüfte.

Beim Lösen dieser Spannung wird das Standbein des Hugul Sogi während der Drehung eine kreisförmige Bahn um die Körperachse. Das Trittbein bleibt dabei gestreckt und bewegt sich auf einer Bahn in Richtung des Ziels. Getroffen wird mit der Ferse (Twitchuk) oder der
hinteren Fußsohle (Twitpalkumchi), die beim Auftreffen oberhalb der Zehen liegen sollte. Der Treffer erfolgt auf der Sangdan- beziehungsweise Oberangriffsstufe.

Vor allem die Kombination der beiden Techniken erforderte ein hohes Maß an Koordination, Beweglichkeit, Körperkontrolle und Konzentration.Die Teilnehmenden übten die Bewegungsabläufe zunächst langsam und mit einem Partner. Anschließend wurden die Techniken auch an Pratzen trainiert, um die technische Ausführung
und den gezielten Krafteinsatz weiter zu verbessern.

Zum Abschluss präsentierte Jyun eine Hyong sowie eine besondere Sprungtechnik: den Tymyo Pandae Tollyo Chagi – gesprungener Fersendrehschlag. Bei dieser
anspruchsvollen Technik zeigte er eindrucksvoll, wie sich Präzision, Dynamik und Körperbeherrschung verbinden lassen. Ein besonderes Highlight war die Ausführung mit dem drei Bechern, die für staunende Blicke sorgte und den gelungenen Abschluss der Trainingseinheit bildete.

Das Seminar bot den Dan-Trägerinnen und Dan-Trägern eine abwechslungsreiche Verbindung aus theoretischem Hintergrundwissen und intensivem Praxistraining. Debbie Paterok und Jyun Nappe vermittelten die Techniken anschaulich und verständlich und gaben den Teilnehmenden wertvolle Impulse für das eigene Training und ihre spätere Lehrtätigkeit mit auf den Weg.